Periodisierung: Neuere deutsche Literatur Zeitalter der Reformation............

Periodisierung: Neuere deutsche Literatur Zeitalter der Reformation......................~16. Jh. Barock...................................................~17. Jh. Aufklärung............................................~ 1680-1789 Sturm und Drang...................................~1770-1785 Weimarer Klassik...................................~1786-1805 (1775-1832) Zwischen Klassik und Romantik ....~1790-1815 Romantik......................................~1790-1815… 1850 Vormärz.................................................~1815-1849 Realismus und Gründerzeit...................~1850-1890 Jahrhundertwende.................................~1890-1914 Expressionismus u. Dadaismus.............~1910-1925 Weimarer Republik................................ 1918-1933 Drittes Reich und Exilliteratur............... 1933-1945 Literatur nach 1945............................... 1945-1989 Literatur nach der Wende..................... 1990 Ergebnisse historischer Reflexion und Rekonstruktion Geschichte der Literatur des 19. Jahrhunderts Historischer und sozialgeschichtlicher kontext • Die Entdeckung der dynamischen Geschichte mit allem was daraus folgt, vom stolzen Individualismus bis zur Demut vor den alten Zeugnissen der Volkskultur, bewirkte eine wirkliche Zäsur des abendländischen Geistes. Seitdem ist es selbstverständlich geworden, die Dinge geschichtlich zu sehen. Geschichte relativiert alles. Sie wird selbst zu etwas Absolutem; kein Gott, keine Idee, keine Moral, keine Gesellschaftsordnung, kein Werk können sich ihr gegenüber von nun an als etwas Absolutes behaupten. (Rüdiger Safranski, Romantik. Eine deutsche Affäre, Frankfurt a.M.: Fischer 2009, S. 28) • Mit der Revolution entsteht zuerst in Frankreich, dann aber überall in Europa ein neues Politikverständnis. Politik, bislang eine Spezialität der Höfe, läßt sich nun als ein Unternehmen verstehen, das man zur Herzensangelegenheit machen kann. Man muss sich die gewaltige Zäsur klarmachen, die diese Explosion des Politischen zur Folge hat. Die Sinnfragen, für die zuvor die Religion zuständig war, werden jetzt an die Politik gerichtet; ein Säkularisierungsschub, der die sogenannten „letzten“ Fragen in gesellschaftlich-politische verwandelt: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sind politische Losungen, die ihre religiöse Herkunft kaum verleugnen. […] Die Ereignisse von 1789 lassen bei den Zeitgenossen eine verstehende Wahrnehmung von historischen Abläufen in großem Stil entstehen, die sich, synchron zu ihrer Politisierung, beschleunigen. Sattelzeit (R. Kosselleck) • „Die ´Zeit´ wirkte in den ganzen Sprachhaushalt und färbte seit der Französischen Revolution spätestens das gesamte politische und soziale Vokabular ein. Es gibt seitdem kaum einen zentralen Begriff der politischen Theorie oder der sozialen Programmatik, der nicht einen zeitlichen Veränderungskoeffizienten enthielte, ohne den nichts mehr erkannt, nicht mehr gedacht oder argumentiert werden konnte, ohne den die Zugkraft der Begriffe verloren gegangen wäre. (R. Koselleck: Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten, FaM 1979, S. 339) 1 • Denn die in sich beschleunigte Zeit, d. h. unsere Geschichte verkürzt die Erfahrungsräume, beraubt sie ihrer Stetigkeit und bringt immer wieder neue Unbekannte ins Spiel derart, daß selbst das Gegenwärtige ob der Komplexität dieser Unbekannten sich in die Unerfahrbarkeit entzieht. (R. Koselleck: S. 34) Aufbruchsstimmung (nach: Kremer: Romantik 2007) 1. eine Überwindung der seit der Französischen Revolution manifest gewordenen globalen Krise der Gesellschaftsordnung 2. der bürgerliche Fortschritt > „offener Horizont“, zugleich: Angst vor Erfahrungs- und Sinnverlust im „Räderwerk“ des Fortschritts 3. mentalitätsgeschichtlicher Wandel: Differenzierung des Selbst- und Sozialbezugs, der Steigerung kommunikativer Möglichkeiten und der Ausbildung eines historischen Bewusstseins, Psychologisierung der Subjektivität 4. Reflex auf Literatur? Autonomisierung der Literatur und Kunst insgesamt > Erneuerung der Künste, Literarizität, ästhetische Souveränität, Mobilität Gattungsystem am Ende des 18. Jahrhunderts • Emanzipation des Romans und damit der Prosa • Versdichtung: Rückzug in Richtung Lyrik  in Richtung Stimmungslyrik/Erlebnislyrik • historische Erkenntnis – keine künstlerischen Normen, die überall und für alle Zeiten gelten (Herder: Historismus) Gattungsbegriffe (inhaltliche Kriterien) (formale Kriterien) Lyrik  Poesie Epik  Prosa Dramatik  Drama Romantik (Autoren) • Ludwig Tieck: Der gestiefelte Kater, Der blonde Eckbert • Novalis: Hymnen an die Nacht • Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen • E.T.A. Hoffmann: Der goldene Topf, Der Sandmann • Joseph von Eichendorff: Gedichte, Aus dem Leben eines Taugenichts Vormärz (Autoren) • Franz Grillparzer: Sappho, Libussa • Johann Nestroy: Der böse Geist • Lumpazivagabundus, Der Talisman • Heinrich Heine: Gedichte, Reisebilder • Georg Büchner: Dantons Tod, Woyzeck Realismus (Autoren) • Gottfried Keller: Romeo und Julia • auf dem Dorfe, Die mißbrauchten Liebesbriefe • Theodor Fontane: Effi Briest • Theodor Storm: Der Schimmelreiter Phänomen der Uneinheitlichkeit der literarischen Entwicklung • 1790 – 1810 → entstehen die bedeutendsten Werke der deutschen Klassik (Goethes „Iphigenie auf T auris“, „Faust“) 2 • Schiller → 1800 – 1805 → bedeutendste Dramen • Neue Bewegung: Romantiker → Ludwig Tieck, Novalis, August Wilhelm und Friedrich von Schlegel → 1800-1805 entstehen die bedeutendsten Werke der Frühromantik • 1800 – 1810 → drei große deutsche Dichter, die sich in das Schema Klassik-Romantik nicht einführen lassen: Friedrich Hölderlin, Heinrich von Kleist, Jean Paul Gemeinsamkeiten: Unzeitgemäßheit, Isolation des Dichters und seiner Werke • epochentypische Schwierigkeiten: fundamentale Diskrepanz zw. Individuum u. seiner Zeitwelt • Diskontinuität des Lebenslaufes > Erfahrung der krisenhaften Dissoziation der gesell. Ordnung • Naturbegeisterung (J. J. Rousseau „Zurück zu Natur“) • Philosophie von Immanuel Kant • Politisches Engagement Die Großen Außenseiter - Heinrich von Kleist • Dramen: Der zerbrochene Krug, Prinz Friedrich von Homburg • Erz ählungen: Die Marquise von O…, Das Erdbeben in Chili. Zwischen Klassik und Romantik - Aussenseiter unter den Aussenseitern: Jean Paul, F . Hölderlin, H. von Kleist Zeitgeschehen • Französische Revolution „säkulare Wende kosmopolitischer Bedeutung“ Klopstock • gegenrevolutionäre Kriege • Napoleonische Kriege → nach Spanien, Russland • 1813 – 1815 → Wiener Kongress • fundamentale Diskrepanz zwischen Individuum u. seiner Zeitwelt • Erfahrung der krisenhaften Dissoziation der gesell. Ordnung > Diskontinuität der Lebensläufe > KONTINGENZ • Literatur → keineswegs unpolitisch • Jean Paul: entschiedener Republikaner, politische Hoffnungen nicht erfüllt > Zuschauer der restaurativen Entwicklung • Fr . Hölderlin: Festhalten an den Idealen der Französischen Revolution, Verwicklung in revolutionäre Bestrebungen im süddeutschen Raum (Isaac Sinclair) • H. v. Kleist: ein grundsätzliches Leiden an seiner Zeit und deren Werten, antinapoleonisches Pathos (nationalistische Vereinnahmung) Jean Paul (1763 – 1825) • „Ich fühle, was Alter und Vergehen ist,… die alte Dichterwelt ist mir untergesunken, ich gehöre nicht zu ihr, denn ich war ihr Schüler, aber ich gehöre auch nicht zur neuen, sondern ich stehe und bleibe allein.” 3 • Pseudonym → Johann Paul Friedrich Richter • schreibt Erzählwerke (Romane), T echnik sehr komplex > rezeptionshemmend • Vorbilder: A. Pope, E. Young, Swift • 1800 nach Berlin = Autorität im literarischen Leben • 1804 Vorschule der Ästhetik: - Bewusstseinshaltung des Lachens - Humor: „plötzliche Auflösung der Erwartung von etwas Ernsten in ein lächerliches Nichts“ - beliebt bei Zeitgenossen, auch in Frankreich: - kritische Schilderung des Provinzlebens in Deutschland - höchst eigenwillige Vereignung von Rationalismus und Humor • Nähe zu den Romantikern: Offenheit, Systemlosigkeit, Unvorsehbarkeit – Romane: Blumen-, Frucht- und Dornenstücke oder Ehestand, Tod und Hochzeit des Armenadvokaten F. St. Siebenkäs im Reichsmarktflecken Kuhschnappel, kurz Siebenkäs kürzer > „Siebenkäs“, 1797/1798; Titan, 1800-1803, Flegeljahre, 1804 Friedrich Hölderlin (1770 – 1843) • wurde im 19. Jahrhundert nicht völlig vergessen; Ruhm: ab 1900 • eine der ergreifendsten Gestalten der deutschen Literatur → keine Kompromisse • aus Würtemberg (wie Schiller), wurde zum evangelischen Geistlichen vorbestimmt (wie Hegel) • Leben und Werk zum Mythos geworden • ab 1807 (36 Jahre lang) im Tübinger T urm in Obhut eines Tischlers • Erfahrung der Entfremdung • idealisiertes Griechenland = Orientierungspunkt für seine Humanitätskonzeption • durch Schillers Lyrik beeinflusst worden („Ode an die Freude“), auch durch Klopstock • individueller Stil > „harte Fügung“; Gattungen > Hymne, Ode, Elegie • dominante Stimmung → großer Enthusiasmus → Feier von Menschheit, Freiheit, Pathos, Extase Hyperion, 1797 und 1799  Verarmung des Menschen in der götterlosen Zeit • das westliche Europa vs. die griechische Antike • Wirklichkeit und Ideal die „Dissonanzen der Welt“ • in Briefform verfasst, lyrisch-elegischer Roman – junger Grieche Hyperion schreibt an seinen deutschen Freund Bellarmin – Befreiungskampf der Griechen von den Türken, 1770 der Osmanische Krieg • Ziel des Dichters → den Menschen die Utopie einer solchen Zukunft zu präsentieren • Idee der Freiheit und der idealen Liebe (Diotima „Göttermensch“) • Verbindung zwischen Privatem und Politischem, resignatives Ende 4 • Philohelenismus jener Zeit stark präsent → Aktuallisierung des Griechentums „damals lebten die Menschen in Einklang mit der Natur und den Göttern“ • Natur und Einsamkeit – Suche nach dem inneren Wesen und Ursprünglichkeit des Lebens, Zerrissenheit des Menschen • „So gab ich mehr und mehr der seligen Natur mich hin und fast zu endlos.“ 177 Heinrich von Kleist (1777 – 1811) • zentrales Thema → Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit • aus einer alten preußischen Offiziersfamilie (Ewald von Kleist: Der Frühling → preußischer General, sein Onkel) → zum Militärlaufbahn prädestiniert, 1799 gibt Soldatenlaufbahn auf • 1800 „Kantkrise“: ruheloses, von Selbstzweifeln zerrissenes Wanderleben (u.a. Paris, Schweiz) • keine öffentliche Anerkennung - zu Lebzeiten zwei von acht Dramen aufgeführt (Der Zerbrochene Krug 1808 in Weimar Misserfolg) • erfolglose Zeitschriftengründungen (Phöbus, 1807/1808 und Berliner Abendblätter 1810/1811) • 1811 Selbstmord am Kleinen Wannsee (mit Henriette Vogel), weil ihm „auf Erden nicht zu helfen“ war • Image als tragischer Außenseiter • „die gebrechliche Einrichtung der Welt“ > Erschütterungskunst - aktuell Dramen • „Amphytrion“ → Komödie, griechische Mythologie • „Penthesilea“ → Amazonenweib, Partnerin von Achilles • „Der zerbrochene Krug“, 1807 vollendet/1811 gedruckt o 1808 → in Weimar aufgeführt > Einakter → Goethe macht daraus 3 Akte o eine der beliebtesten deutschen Komödien o Handlung → gesellschaftskritische, lustige Geschichte von der Selbstentlarvung eines niederländischen Dorfrichters ; korrupte Justiz o biblische Anspielungen → Namen = Richter Adam, Dorfmädchen Eve o universale Geschichte → Korrektur individuellen Versagens o griechische Mythologie → Notiz von Kleist → Richter Adam steht in Beziehung zu König Ödipus Sophokles o T echnik → analytische Technik der griechischen uploads/Litterature/ knjizevnost-19-stoljece-romantizam.pdf

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